Samstag, 2. März 2013

Ein Blick hinter die Kulissen

Führung durch das Muziektheater in Amsterdam am 23.2.2013

Schon gleich merkte ich, dass wir viel zu hören bekommen von einer Welt, über die der Laie nichts oder nur wenig weiß. Darum packte ich schnell Papier und Kugelschreiber (zum Glück hatte ich beides in meiner Handtasche) und schrieb für mich Punkte auf, die ich interessant fand und zu Hause noch einmal durchlesen wollte. Das sah Jolanda, die gleich zu mir sagte: "Schreib doch einen kleinen Bericht hierüber". Es ist nur wenig von dem Vielen, was wir in der guten Stunde gesagt und gezeigt bekommen haben.

Ich war überrascht, dass eine Aufführung, Oper oder Ballett, 3 Jahre Arbeit erfordert und etwa 600 Menschen hieran arbeiten. Eine recht kleine Gruppe, sie nannte auch die Namen dieser (ich weiss sie nicht mehr) überlegen welche Oper oder welches Ballett aufgeführt werden soll in der nächsten Saison. Von da wird der Kreis der Mitarbeiter stets größer. An alles muss gedacht werden: Künstler, welche und wo erreicht man sie, um sie zu fragen. Die Kulissen müssen überlegt werden, an die Kleider muss gedacht werden. Sie müssen genäht oder verändert werden von klein nach gross oder andersherum, die Perücken sind wichtig, sie müssen zu der Person in der Rolle passen. Auch ein Schnurrbart wie die Masken sind wichtig und vieles, vieles mehr. Ungefähr zwei Wochen sind sie hiermit beschäftigt. Die Perücken werden aus echtem Haar geknüpft, welches aus den asiatischen Ländern kommt. Nicht der Kopfumfang ist für die Anfertigung der Perücken wichtig, die Perücke wird von der Stirnmitte über den Schädel bis zum Halsansatz gemessen. Die exzentrisch-künstlerischen Perücken werden meistens aus Tierhaaren angefertigt. Sie müssen Naturprodukte gebrauchen, weil Kunsthaar im Scheinwerferlicht ganz anders reflektiert. Über dieses handwerkliche Können haben wir einen kleinen Film gesehen. Wichtig ist auch die Farbe der Kleider. Viele Farbproben werden zuvor gemacht und kritisch beguckt, bis man sagen kann, dies ist die richtige Farbe und dann wird der Stoff gefärbt. Auch hier wurde uns ein kurzer Film gezeigt. Auch der Trick mit dem Plastikbeutel gefüllt mit "Blut", wenn einer z.B. mit einem Dolch ermordet wird.

16 - 18 Techniker arbeiten an dem Bühnenbild. Die Proben zur Oper oder zu dem Ballett dauern ungefähr 6-8 Wochen.

Die Kulissen der vergangenen Aufführungen werden in Bijlmeer in einem großen Lagerhaus gelagert.

Die berufliche Laufbahn der Balletttänzer dauert nur eine kurze Zeit vom 18. bis zum 35. Lebensjahr. In diesen Jahren ihrer künstlerischen Laufbahn überlegen sie schon, welchen Beruf sie dann erlernen können. Einer ist Pilot geworden, der andere Anwalt usw.

300 Lichtstände sind nötig, um eine Vorstellung optimal auszuleuchten. Sie werden mit dem Computer gesteuert.

Am Ende unserer Führung wurden wir in die kleine und dunkle Kammer der "Zuspätkommer" geführt. Hier müssen sie bis zur Pause sitzen bleiben.

Amsterdammer haben dem Muziektheater den Spitznamen "het kunstgebit" gegeben, weil das Theater aus der Entfernung wie ein Kunstgebiss aussieht.

 

Ich selbst war überrascht über die Größe und den Umfang der Räume hinter den Kulissen. Wenn ich aber ganz ehrlich bin, finde ich die Sicht im Zuschauerraum zur Bühne hin doch schöner. Aber es war eine interessante Führung.

Nach der Führung haben wir uns gestärkt in dem gemütlichen Restaurant "Olijfje" gleich in der Nähe des Muziektheaters.

Ein hundertprozentig gelungener Tag.

Christel Grün

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